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Annäherungen an ein schillerndes Gewässer

Fakten und Gefühle ‒ H2O, Aaaahs und Oooohs

Travnicek (missmutig): Da zieht's auf dem Schiff! Des is a Land! Schaun S' da außi!...
Freund: Ja die Adria, Travnicek.
Travnicek: Nix wiar a Salzwasser ... Und der Mond scheint an ins G'sicht ... es ist net zum Aushalten ...
Das Meer: Nix wiar a Salzwasser.

So wie der österreichische Schauspieler, Kabarettist und Schriftsteller Helmut Qualtinger seine Figur Travnicek auf dem Deck eines Mittelmeerschiffes raunzen lässt, mögen sich Menschen, die es immer wieder ans Meer lockt, das Ziel ihrer Sehnsucht sicher nicht vorstellen. Nur, was charakterisiert das Meerwasser „stimmiger”?

Nehmen wir z. B. die Münchner Stadtwerke: Um Bademeister in ihr nasses, wenngleich weniger salziges Revier der kommunalen Badeanstalten zu locken, bescheinigen sie den Umworbenen ein Wissen, wie aus H2O Aaaahs und Oooohs werden. Gegenüber den übellaunigen Einlassungen eines Travnicek ist der Münchner Blick und Reim aufs Wasser sicher um einiges freundlicher. Nur, die Frage, ob und ‒ wenn ja ‒ welche Eigenschaften H2O dazu qualifizieren, solche Wohllaute hervorzurufen, ist damit noch nicht vom Tisch.

Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die Münchner Werbetexter vielleicht doch nicht so ganz danebenliegen. Wenn sie Wasser (H2O) und Gefühle des Wohlbefindens (Aaaahs und Oooohs) zusammenbringen, weisen sie ‒ gewollt oder nicht ‒ auf ein Verhältnis hin, das sich zwischen dem Element Wasser und dem Betrachter, Verbraucher, Genießer, Badenden…unterschiedlich verschieden herstellt. Anders gesagt, man kann Wasser etymologisch, chemisch, mythologisch, geologisch-geografisch usw. definieren, aber eben auch mit Bezug auf das, was es jeweils bei Menschen auslöst bzw. diese im Einzelfall mit Wasser verbinden.

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Gehen wir vom Wasser zum Meer: Meer ist Wasser, aber ‒ wie Travnicek, der ewige Nörgler meint ‒ halt nur Salzwasser. Davon gibt es auf diesem Planeten eine Menge. So machen die zusammenhängenden Wassermassen des Meeres immerhin 71 Prozent der Erdoberfläche aus. Auch andere Zahlen über dieses Gewässers imponieren: Die Meeresflora produziert ungefähr 70 Prozent des in der Erdatmosphäre vorhandenen Sauerstoffs.

Nur, diese und andere beliebig erweiterbaren wissenschaftlich „stimmigen” Zahlen aus Enzyklopädien und dem Internet ‒ was wollen, was können sie uns über die „älteste Landschaft” sagen? Dass das Meer einen Salzgehalt von durchschnittlich 3,5 Prozent aufweist, dass es Gravitationskräften des Mondes (wie auch im geringeren Maße der Sonne) unterliegt (die Gezeiten), „erklärt” gemeinhin nicht die Faszination, die es auf Menschen ‒ zumindest auf viele ‒ ausübt.

Wenn es also nicht das Wissen um chemische Ingredienzien, die ökonomische Funktion als Verkehrs- und Handelswege und auch nicht die Kenntnis um seine existenziellen Mitgiften als Ernährungs- und Sauerstofflieferant sind, die das Meer für Unzählige zum Lust- und Wohlfühlelixier machen, was dann?

In dem Maße, wie objektives Wissen ‒ wer weiß denn schon, wie das Salz ins Meer kommt und warum dieses blau erscheint, wenn er oder sie nicht das Internet daraufhin befragt ‒ als Auslöser für Freude und Schwärmerei, für Entzücken und Hochstimmung wenig abwirft, wird man nicht umhinkommen, subjektive Gefühle als Gründe in Betracht zu ziehen. Vielleicht ist es ja auch gar nicht so abwegig, die Suche nach des Rätsels Lösung weniger aufs Meer, aufs Wasser selbst zu richten als auf das, was schon die Münchner Werbetexter irgendwie begriffen haben: das Verhältnis, das der einzelne zum Meer, zum Wasser mit Salz, jeweils hat bzw. herstellt. Dabei geht es dann nicht so sehr um Unterschiede in der Sache (Salzgehalt, unterschiedliche „Bläue”, Tiefe, Temperatur, Kohlenstoffdioxidaufnahme, Schifffahrtswege, Nahrungsquelle etc.), sondern vornehmlich um Unterscheidungen, die der einzelne Betrachter jeweils für sich trifft. Sei es wie Travnicek negativ, abweisend, grantelnd: „Nix wiar a Salzwasser.”, sei es wie echte Meeresenthusiasten positiv, euphorisch: „Welch traumhafter Anblick!”, „Welche Ruhe, Kraft und Schönheit!”, „Ort meiner Sehnsucht!”.

Dass solche Häme wie Hymnen wohl mehr über die verschiedenen Menschen aussagen als über das weithin sich gleichbleibende Meer, muss hier nicht näher ausgeführt werden.

Damit aber verlassen wir den sicheren Boden messbarer Sachverhalte und betreten das Reich schwankender, gleichwohl starker Gefühle. Vielleicht lassen sich aber auch auf diesem Terrain ein paar Streifzüge unternehmen, auf denen beispielhaft einige Aufschlüsse über das schillernde Gewässer Meer bzw. seine Fans wie Verächter gewonnen werden können.

Fakten und Gefühle ‒ H2O, Ahhs und Ohhs
Die Fans des Meeres ‒ unterschiedlich verschieden
Disharmonien im Spektrum ungetrübter Meeresfreude
Angst vorm Meer ‒ gepaart mit Faszination

Von Hans Lösch, München im März 2014

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