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Karin Arleth


Anfang der 80er Jahre kam ich zum ersten mal nach Griechenland. Im VW-Bus, mit Kindern und Freund. Wir kamen über den langen Weg durch das damalige Jugoslawien und folgten der Wegbeschreibung eines alternativen Reiseführers quer durch das Land, von Norden nach Süden. 3 pubertierende Kinder, ein konsumverwöhnter Freund und Hellas boten mir unvergessliche Urlaubswochen. Der Freund und sein Kind überdauerten diese 5 Wochen nicht, auch der VW-Bus wurde „abgeschafft”. Geblieben sind meine 2 Kinder und die Liebe zu diesem unglaublichen Land.

2 Jahre später startete ich einen neuen Versuch: neuer Mann, altes Land. Diesmal ohne Kinder, ohne Bus, ohne Stress. Und schon war ich dem Himmel etwas näher. Auch dieser Urlaub wurde unvergesslich - diesmal aber im positiven Sinn .Und von da an hiess es jedes Jahr: auf nach Griechenland.

Ich bin Therapeutin von Beruf und arbeitete mit schwererziehbaren Kindern in Süddeutschland. Der neue Mann in meinem Leben war gleichzeitig auch mein Arbeitskollege, ein 24 Stundenjob also. Nach mehreren Urlauben, einer schöner als der andere, entschieden wir beide die lebensnotwendige Arbeit mit nach Griechenland zu nehmen. Meine Kinder waren inzwischen erwachsen, wir verheiratet .Ich war 42 und wir wollten uns noch einmal – kurz vor dem Altwerden - verändern.

Wir suchten und fanden ein wunderschönes Haus zu mieten, direkt am Meer, grosses Grundstück und eine schier endlose Freiheit im Vergleich zu unserem vorherigen deutschen Leben. Ein Traum. Wir waren in Petalidi gelandet, einem Ort auf dem westlichen Finger der Peleponnes. Von der Terrasse aus sahen wir das Meer und die hohen Berge des Taygetos. Bis zum Strand waren es 70m! und dort waren wir meist ganz alleine. Unsere Arbeit war nach einigen Startschwierigkeiten gut angelaufen und wir mussten uns keine Sorgen um Neubelegungen machen. Unser Projekt arbeitete gut, wir waren anerkannt und auch wenn die Arbeit mit den Kindern anstrengend war muss ich rückblickend sagen: es hat auch viel Spass gemacht. Manchmal schaue ich mir die alten Tagebücher an und kann herzhaft lachen. Lang haben wir durchgehalten: 7 Tage in der Woche, 52 Wochen im Jahr und dies 12 Jahre lang. Kein Urlaub war möglich und nur selten konnten wir einen freien Tag geniessen.

Mit dem „Ruhestand”! kam unsere Trennung, allerdings keine Trennung von Griechenland. Diese Liebe hat gehalten und sie dauert an.

Inzwischen lebe ich in Longa, ein paar km südlicher also. Longa ist ein - wie man heute sagt: authentisches griechisches Dorf. Hier kenne ich den Bäcker, den Metzger und den Gemüsehändler. Der Fischverkäufer kommt 2 x in der Woche bis vor die Haustür gefahren, der Pfarrer grüsst mit kali mera Katharina und meine Enkelin geht hier zur Schule. Man kennt mich und ich bin integriert. Ich liebe mein Dorf und mein kleines eigenes Haus. Hinter dem Haus, im Garten, besitze ich sogar eine nicht sehr grosse Höhle und oft erzählen mir die alten Leute wie diese früher genutzt wurde und eines Tages mit lautem Getöse um mehr als die Hälfte zusammen fiel. Zum Glück war nur ein alter Esel zu Tode gekommen.

Seit ich nun alleine lebe und ich mir mein Leben nach meinem Geschmack und meinen Vor­stellungen einrichten kann, wandere ich mit Freunden und Bekannten durch Griechenland. 2010 wanderten wir von der Ostküste des Peloponnes zur Westküste (270km) und im Jahr darauf waren wir mehrere Tage im Taygetosgebirge unterwegs, inklusive dem Profit Ilias.

Jeden Samstag laufe ich mit einer multinationalen Gruppe von oft 30 Leuten. Meistens sind es Touren mit ca.15 km und oft treffen wir uns auch noch ein zweites mal in der Woche. Dann allerdings für grössere und schwierigere Strecken. Irgendwie bin ich stolz auf diese Leistungen, schliesslich bin ich inzwischen schon mehrfache Grossmutter.

Zusätzlich zu meiner Wanderbegeisterung habe ich die Malerei für mich entdeckt. Jahrelang habe ich meines Vaters Maluntensilien von einem Umzug zum andern eingepackt, ausgepackt und weggepackt. Nun nutze ich die schönen Farben und versuche meinen eigenen Stil zu entwickeln.

Griechenland hat sich in „meinen”! 20 Jahren sehr verändert und die momentane wirtschaftliche und politische Situation ist auch im Dorf zu spüren .Trotzdem gibt es keinen Moment der Überlegung dem Land den Rücken zu kehren, hier fühle ich mich zu Hause. Gemeinsam mit Freunden und Bekannten wollen wir versuchen etwas für Griechenland zu tun. Im Dorf werden wir damit beginnen, das Schulhaus wird gestrichen und für die Kinder wollen wir die Räume neu einrichten.

Und wenn mich das deutsche Heimweh überkommt, dann fliege ich für 2 Wochen zu guten Freunden nach München.

Karin Arleth, Longa im März 2012

Bücher

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